Warum Dogs & Angels ab dem 12. August 2026 nur noch innerhalb Deutschlands versendet und warum es dabei um viel mehr geht als um Verpackungen.
Ab dem 12. August 2026 versenden wir bei Dogs & Angels vorerst ausschließlich innerhalb Deutschlands.
Das ist keine Entscheidung, die ich gerne treffe, denn das Gegenteil ist zutreffend. Über viele Jahre haben unsere Pakete Deutschland verlassen und sind zu Kundinnen und Kunden in ganz Europa gereist. Genau das ist schließlich eine der großen Ideen des europäischen Binnenmarktes: Waren, Dienstleistungen und Menschen sollen sich innerhalb Europas möglichst frei bewegen können.
Für ein kleines Unternehmen wie Dogs & Angels fühlt sich dieser Binnenmarkt inzwischen allerdings erstaunlich wenig nach „binnen“ an.
Und bevor hier ein falscher Eindruck entsteht:
Ich habe überhaupt kein Problem damit, Verantwortung für die Verpackungen zu übernehmen, die ich in Umlauf bringe.
Das tun wir längst.
Mein Problem beginnt dort, wo aus Verantwortung ein bürokratisches System wird, dessen Aufwand irgendwann in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zu dem steht, was ein kleines Unternehmen tatsächlich verursacht.

Was passiert am 12. August 2026?
Ab diesem Datum ist die europäische Verpackungsverordnung PPWR, die Packaging and Packaging Waste Regulation (EU) 2025/40, grundsätzlich anzuwenden. In Deutschland wird sie durch das neue Verpackungsrecht / Durchführungsgesetz flankiert. Auch die Zentrale Stelle Verpackungsregister weist darauf hin, dass zum 12. August wesentliche Änderungen greifen.
Wichtig ist dabei eine Unterscheidung, die in der aktuellen Diskussion leider häufig verloren geht:
Die Verpflichtung, Verantwortung für Verpackungen zu übernehmen, ist nicht neu.
Auch die unterschiedlichen nationalen EPR-Systeme Europas sind nicht plötzlich am 12. August vom Himmel gefallen.
In Deutschland beispielsweise bestehen bereits heute Registrierung, Systembeteiligung und Datenmeldung. Unternehmen melden ihre Verpackungsmengen und Materialarten sowohl an ihr duales System als auch an das Verpackungsregister LUCID. Die dualen Systeme finanzieren daraus Sammlung, Sortierung und Recycling der Verpackungsabfälle privater Endverbraucher.
Auch wir tun das.
Und genau deshalb ist mir diese Differenzierung wichtig.
Ich kritisiere nicht die Idee der erweiterten Herstellerverantwortung. Ich kritisiere eine Struktur, in der ein kleines Unternehmen beim grenzüberschreitenden Verkauf innerhalb der EU mit unterschiedlichen nationalen Registrierungs-, Beteiligungs-, Melde- und Vertretungspflichten konfrontiert wird.
Denn mit der PPWR verschwindet dieses Problem nicht.
Ein Binnenmarkt, viele Systeme.
Die PPWR verfolgt ausdrücklich das Ziel, EU-weit einheitlichere Regeln zu schaffen, Handelshemmnisse abzubauen und gleiche Wettbewerbsbedingungen zu fördern. Das ist grundsätzlich eine gute Idee.
In der Praxis bleibt die erweiterte Herstellerverantwortung jedoch stark national organisiert.
Besonders relevant für kleine Onlinehändler: Wer aus einem EU-Mitgliedstaat direkt an Endkunden in einem anderen Mitgliedstaat verkauft, muss sich mit den EPR-Anforderungen des jeweiligen Zielmarktes auseinandersetzen. Für grenzüberschreitend tätige Unternehmen kommen unter der PPWR zudem Vorgaben zur Benennung eines Bevollmächtigten im jeweiligen anderen Mitgliedstaat hinzu.
Wie konkret Registrierung, Systembeteiligung, Meldungen und deren Kosten ausgestaltet werden, hängt weiterhin vom jeweiligen Land ab.
Deutschland zeigt umgekehrt sehr anschaulich, was das bedeutet: Ein ausländisches Unternehmen ohne deutsche Niederlassung, das direkt an Endverbraucher in Deutschland verkauft, muss ab dem 12. August einen Bevollmächtigten benennen. Dieser übernimmt die Pflichten der erweiterten Herstellerverantwortung, mit Ausnahme der Registrierung in LUCID, die das Unternehmen weiterhin selbst erledigen muss. Eine Befreiung von dieser Verpflichtung sieht die ZSVR nicht vor.
Und jetzt übertragen wir dieses Prinzip einmal auf ein kleines Label, das Kunden in mehreren europäischen Ländern hat.
Dann wird aus einem europäischen Markt sehr schnell eine Sammlung nationaler Compliance-Projekte.
Für Amazon & Co. mag das eine weitere Tabellenzeile für die Rechtsabteilung sein.
Für einen Ein-Personen-Betrieb ist es Arbeitszeit.
Und irgendwann sehr viel davon.
Fünf Pakete bleiben fünf Pakete.
Das ist der Punkt, der mich an der gesamten Diskussion inzwischen am meisten beschäftigt.
Nehmen wir ein bewusst simples Beispiel.
Ein kleines deutsches Label verschickt fünf Pakete pro Jahr in ein anderes EU-Land.
Die Versandkartons existieren.
Das Unternehmen beteiligt seine Verpackungen dort entsprechend der geltenden gesetzlichen Vorgaben, registriert sich, meldet Mengen, beauftragt gegebenenfalls Dienstleister oder einen vorgeschriebenen Bevollmächtigten und bezahlt die dafür anfallenden Kosten.
Was passiert mit der tatsächlichen Menge an Verpackung?
Nichts.
Es bleiben fünf Pakete.
Aus fünf Kartons werden durch zusätzliche Registrierung, Administration und Gebühren nicht vier.
Und genau hier müssen wir meiner Meinung nach über Verhältnismäßigkeit sprechen.
Denn natürlich soll derjenige, der Verpackungen in Verkehr bringt, an deren Entsorgung und Verwertung beteiligt werden.
Aber muss ein Micro Business dafür tatsächlich in zahlreichen nationalen Strukturen einzeln administriert werden?
Oder wäre nicht gerade das eine Aufgabe, die ein gemeinsamer europäischer Markt gemeinsam lösen könnte?
Eine Registrierung. Eine Meldung. Eine Abrechnung. Eine faire Verteilung auf die jeweiligen Mitgliedstaaten.
Technisch erscheint mir das im Jahr 2026 jedenfalls nicht wie Science-Fiction.
Das eigentliche Problem sind nicht die fünf Kartons
Ein häufiges Missverständnis in dieser Diskussion ist, ausschließlich auf die Lizenzkosten für das Verpackungsmaterial zu schauen.
Für einen kleinen Betrieb ist jedoch etwas anderes mindestens genauso wertvoll:
Zeit.
Ich kann eine Stunde nur einmal verbringen.
Ich kann in dieser Stunde ein neues Produkt entwickeln. Ich kann nähen. Fotografieren. Kunden beraten. Meinen Shop verbessern. Rechnungen schreiben. Content erstellen.
Oder ich kann recherchieren, welche Verpflichtungen in Belgien gelten.
Danach in den Niederlanden.
Danach in Dänemark.
Danach im nächsten Land.
Ich kann Dienstleister vergleichen, Registrierungen durchführen, Mengen dokumentieren, Shoptexte ändern, Versandzonen umbauen und versuchen herauszufinden, welche neue Vorschrift welche bereits bestehende Vorschrift ergänzt.
Und anschließend erkläre ich meinen Kunden, warum sie plötzlich nicht mehr bei mir bestellen können.
Das hier ist übrigens keine theoretische Beschreibung.
Genau damit verbringe ich gerade meine Arbeitszeit.
Ich würde viel lieber an den neuen Produkten arbeiten, die hier auf meinem Tisch und in meinem Kopf längst Schlange stehen.
Stattdessen beschäftige ich mich mit Verpackungsrecht.
Und ich bin nur eine von Tausenden.
Bürokratie kostet Produktivität
Deshalb finde ich noch eine andere Diskussion bemerkenswert.
In Deutschland wird regelmäßig darüber gesprochen, dass wir produktiver werden müssen, dass Unternehmen entlastet werden sollen und dass wirtschaftliches Wachstum gebraucht wird.
Dann müssen wir allerdings auch darüber sprechen, womit Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Arbeitszeit verbringen.
Bürokratie verschwindet nicht dadurch, dass sie digital erledigt wird.
Jemand muss sie trotzdem erledigen.
In einem Konzern übernimmt das eine Compliance-, Rechts- oder Nachhaltigkeitsabteilung.
In einem Micro Business sitzt dieselbe Person davor, die anschließend das Produkt entwickelt, herstellt, fotografiert, verkauft, verpackt und den Kundenservice macht.
Jede zusätzliche administrative Verpflichtung nimmt dieser Person Zeit aus ihrer eigentlichen wirtschaftlichen Tätigkeit.
Das ist keine Befindlichkeit.
Das ist eine betriebswirtschaftliche Realität.
Gleiche Vorschrift bedeutet nicht gleiche Belastung
Und damit kommen wir zu einem Punkt, den ich in der Debatte über kleine Unternehmen häufig vermisse.
Eine Verpflichtung kann formal für alle gleich sein und wirtschaftlich trotzdem vollkommen unterschiedlich wirken.
Nehmen wir rein beispielhaft fixe Compliance-Kosten von 300 Euro für einen Markt.
Ein Unternehmen mit 100.000 Sendungen verteilt diese Kosten auf 100.000 Verkäufe.
Ein kleines Label mit fünf Bestellungen verteilt sie auf fünf.
Die gesetzliche Verpflichtung mag dieselbe sein.
Die wirtschaftliche Belastung ist es nicht.
Und genau deshalb braucht gute Regulierung Verhältnismäßigkeit.
Interessanterweise ist dieser Gedanke dem europäischen Regelwerk keineswegs fremd. Die PPWR enthält selbst Vereinfachungen und besondere Regelungen für kleinere Mengen beziehungsweise Unternehmen. Das Grundproblem eines Micro Business, das mit sehr kleinen Stückzahlen grenzüberschreitend verkauft, löst das jedoch nicht automatisch.
Wer kann sich den europäischen Binnenmarkt leisten?
Das führt für mich zur eigentlich unangenehmen Frage.
Was passiert, wenn immer mehr kleine Anbieter zu demselben Ergebnis kommen wie wir?
Wir sehen es gerade bereits.
Kleine Manufakturen, Künstler, Designer, spezialisierte Onlineshops und Soloselbstständige stellen ihren Versand in andere EU-Länder ein oder beschränken ihn erheblich.
Nicht unbedingt, weil die einzelne Verpackungslizenz unbezahlbar wäre.
Sondern weil die Summe aus nationalen Vorschriften, Fixkosten, Dienstleistern, Registrierungen, Meldepflichten, Haftungsrisiken und benötigter Arbeitszeit irgendwann wirtschaftlich keinen Sinn mehr ergibt.
Große Unternehmen verschwinden deshalb nicht aus dem europäischen Markt.
Sie besitzen die Infrastruktur, um solche Anforderungen abzuwickeln.
Die Gefahr besteht vielmehr darin, dass genau diejenigen verschwinden, die einen Markt vielfältig machen:
kleine Labels, besondere Produkte, Handwerk, Nischenanbieter, lokale Hersteller, Künstler und Menschen mit Ideen, für die es keine eigene Compliance-Abteilung gibt.
Und irgendwann bestellen wir alle bei denselben fünf Plattformen.
Was für eine traurige Vorstellung von einem Binnenmarkt.
Dogs & Angels zieht deshalb vorerst die Grenze!
Für Dogs & Angels ist diese Entwicklung nicht völlig neu.
Den Versand nach Österreich haben wir bereits vor Jahren eingestellt, weil die dortigen Anforderungen für uns wirtschaftlich nicht sinnvoll abzubilden waren. Auch weitere Länder wie Frankreich und Italien hatten wir bereits aus unserem regulären Versand genommen.
Jetzt ziehe ich die Konsequenz.
Ab dem 12. August 2026 versendet Dogs & Angels vorerst ausschließlich innerhalb Deutschlands.
Nicht weil ich keine Kunden außerhalb Deutschlands haben möchte.
Nicht weil mir Europa egal wäre.
Und ganz sicher nicht, weil ich der Meinung bin, dass Unternehmen für ihre Verpackungen keine Verantwortung übernehmen sollten.
Sondern weil ich als kleines Unternehmen entscheiden muss, wo ich meine begrenzte Zeit und meine Ressourcen einsetze.
Und irgendwo ist eine Grenze erreicht.
Ich habe dabei sogar noch Glück.
Ich bin nicht ausschließlich Herstellerin.
Neben Dogs & Angels gibt es meine Arbeit als Designerin. Ich entwickle Marken, Websites, Konzepte und Content. Wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Dogs & Angels verschlechtern, kann ich einen Teil meiner Arbeit wieder stärker in diese Richtung verlagern, was nicht der eigentliche Plan war.
Dogs & Angels sollte weiter wachsen und meine Brand sollte größer werden, denn viele neue Produkte liegen längst in der Pipeline.
Aber ich kann reagieren, viele andere können das leider nicht.
Wer Keramik herstellt, Schmuck fertigt, Kleidung näht, Seifen produziert, Kunst verkauft oder irgendeine andere kleine Manufaktur aufgebaut hat, besitzt nicht automatisch ein zweites Geschäftsmodell, auf das er ausweichen kann.
Für diese Menschen ist das keine abstrakte politische Diskussion. Es kann irgendwann eine Existenzfrage werden.
Umweltschutz und kleine Unternehmen sind keine Gegner!
Vielleicht ist das für mich sogar der wichtigste Punkt dieses ganzen Artikels. Wir sollten uns nicht in eine falsche Diskussion drängen lassen.
Auf der einen Seite Umweltschutz. Auf der anderen Seite kleine Unternehmen.
Das ist nicht der Konflikt.
Natürlich müssen wir Verpackungen reduzieren.
Natürlich müssen Kreisläufe verbessert werden.
Natürlich müssen diejenigen, die Verpackungen in Verkehr bringen, Verantwortung übernehmen.
Aber gerade deshalb sollten wir darüber reden dürfen, wie diese Verantwortung organisiert wird.
Eine europäische Verpackungslösung, die kleine grenzüberschreitende Händler faktisch dazu bewegt, ihre Versandgebiete zu verkleinern, sollte zumindest die Frage aushalten, ob es nicht eine bessere Lösung gibt.
Eine, die ökologische Ziele erreicht, ohne 27 administrative Inseln zu schaffen.
Eine, bei der kleine Mengen tatsächlich kleine Mengen bleiben.
Eine, bei der ein Unternehmen seine Verpackungsmengen zentral melden kann und die finanziellen Beiträge anschließend dort ankommen, wo die Verpackungen tatsächlich entsorgt werden.
Eine, die einen Micro Business nicht behandelt, als hätte er eine Rechtsabteilung im zweiten Stock.
Ich möchte eigentlich einfach meinen Job machen.
Vielleicht lässt sich meine ganze Kritik am Ende auf diesen einen Satz reduzieren.
Ich möchte Produkte entwickeln.
Ich möchte Dinge gestalten.
Ich möchte mit meinen Händen arbeiten.
Ich möchte Dogs & Angels weiterentwickeln.
Ich möchte meine Kundinnen und Kunden glücklich machen.
Ich möchte arbeiten.
Und ich möchte selbstverständlich meinen fairen Anteil dafür bezahlen, dass die Verpackungen meiner Produkte gesammelt und recycelt werden.
Was ich nicht möchte, ist immer mehr meiner Arbeitszeit darauf zu verwenden, herauszufinden, wem ich in welchem Land welche Verpackung wann, wo und auf welchem Portal melden muss und wen ich dafür zusätzlich beauftragen muss.
Das kann nicht die beste Version eines europäischen Binnenmarktes sein.
Deshalb wünsche ich mir keine Abschaffung der Verpackungsverantwortung.
Ich wünsche mir etwas viel Unspektakuläreres:
eine vernünftige.
Eine europäische Lösung.
Eine verhältnismäßige Lösung.
Eine Lösung, bei der Umweltschutz, Wettbewerb und kleine Unternehmen gemeinsam gedacht werden.
Denn am Ende gilt immer noch:
Fünf Pakete bleiben fünf Pakete.
Egal, wie viele Formulare wir dafür ausfüllen.
Hinweis zur Aktualität: Dieser Beitrag gibt unseren Informationsstand vom 11. August 2026 wieder. Die Umsetzung der PPWR und die nationalen Regelungen befinden sich teilweise noch in einer Phase der Konkretisierung. Wir werden diesen Beitrag aktualisieren, sobald sich für kleine grenzüberschreitend tätige Unternehmen relevante Änderungen ergeben.
Als offizielle Ausgangspunkte zur weiteren Information eignen sich die Informationen der Zentralen Stelle Verpackungsregister zur PPWR ab 12. August 2026 sowie die Informationen des Bundesumweltministeriums zum VerpackDG und zur PPWR.

